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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

27. Evangelischer Kirchbautag 2011 in der Hansestadt Rostock

Motto: „Kirchenraum – Freiraum – Hoffnungsraum. Orientierung im demographischen Wandel“

Schwerin/Rostock (db) – Vom 23. bis 25. Juni 2011 findet in der Hansestadt Rostock der 27. Evangelische Kirchbautag statt. Die zu erwartenden rund 450 Teilnehmer aus ganz Deutschland – vorwiegend Architekten, Künstler, Denkmalpfleger, Kirchbaufachleute der Landeskirchen, Theologen, aber auch weitere Interessierte – lassen ihn zu einem Ereignis von bundesweiter Bedeutung werden. Veranstalter ist das Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart (EKD) mit Sitz in Marburg (Lahn). Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs fungiert für den Kirchbautag als Gastgeber. Der Kirchbautag wird von einem Präsidium unter Vorsitz von Hauptpastor i.R. Helge Adolphsen (Hamburg) und seinem Stellvertreter, Professor Dr. Thomas Erne (Marburg), geleitet. Die Vor-Ort-Koordination wird von Pastor i.R. Dr. Ludwig Seyfarth geleistet.

Der Kirchbautag findet alle drei Jahre statt. Nach Magdeburg und Leipzig ist Rostock der dritte Tagungsort in den neuen Ländern. Der letzte Kirchbautag kam 2008 in Dortmund zusammen.

Altarraum der Kirche Berendshagen in Mecklenburg (Foto: ELLM) Der Kirchbautag 2011 steht unter dem Motto „Kirchenraum – Freiraum – Hoffnungsraum. Orientierung im demographischen Wandel“ und widmet sich den Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung nicht nur auf das Land, sondern auch auf die Kirche. „Wie noch kaum eine andere steht die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs vor der Herausforderung und stellt sich dieser, ihre vielfältigen Aufgaben in einem sich entvölkernden Gebiet wahrzunehmen. Die Auswirkungen – sei es im seelsorgerischen Bereich oder im Denkmalschutz – sind gravierend, bieten aber auch für völlig neue Konzepte Raum“, fasst Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz die Situation zusammen.
Die Teilnehmer werden sich vor allem mit der Frage beschäftigen, wie die wertvolle Bausubstanz der zahlreichen Stadt- und Landkirchen Mecklenburgs angesichts des demographischen Wandels erhalten und mit neuen Nutzungen belebt werden kann – ein Problem, vor dem nicht nur Mecklenburg steht. „Die Entwicklung  im Hinterland der Ostsee ist durchaus als beispielhaft zu sehen“, sagt Helge Adolphsen, Hauptpastor i.R. aus Hamburg und Vorsitzender des Kirchbautagpräsidiums. „Ähnliche Tendenzen gibt es bereits auch in Süddeutschland, in Holland, Österreich und der Schweiz.“ Dem widmen sich zahlreiche Vorträge, Gesprächsforen und Workshops. Ergänzend werden die Teilnehmer eine Vielzahl kirchlicher Bauwerke in Rostock und Umgebung, in Schwerin und Wismar  kennenlernen.

„Ein Höhepunkt des Kirchbautages wird die Verleihung des Preises der „Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland“ (Stiftung KiBa) sein“, sagt Pastor i.R. Dr. Ludwig Seyfarth vom Organisationsbüro. Der mit 2.000 Euro dotierte Preis und die damit verbundene Förderung des Bauprojekts in Höhe von 25.000 Euro ging übrigens 2008 an die Kirchgemeinde Steffenshagen in Mecklenburg. Der Bewerbungszeitraum für 2011 endet am 11. Februar 2011 (Infos unter www.stiftung-kiba.de).

Interessierte Tagesgäste sind nach Anmeldung herzlich willkommen.

Weitere Informationen unter www.kirchbautag.de

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Historie
Die Anfänge der Reformation in Mecklenburg sind in der Hansestadt Rostock zu suchen. Hier predigte Joachim Slüter bereits um 1523 nach evangelischer Lehre. Erst 1549 beschloss der damalige Landtag die Einführung der Reformation für ganz Mecklenburg. 1552 wurde die lutherische Kirchenordnung eingeführt, die mit leichten Veränderungen bis zum Beschluss über die neue Verfassung im Jahr 1922 galt. Im 19. Jahrhundert festigte sich die Landeskirche vor allem durch das Wirken von Oberkirchenrat Theodor Kliefoth. Er sorgte von einem konservativen Luthertum aus für die Prägung der Landeskirche in liturgischer und struktureller Hinsicht. Nach der Trennung von Staat und Kirche durch die Weimarer Reichsverfassung gaben sich 1920 Mecklenburg-Strelitz und 1922 Mecklenburg-Schwerin eine eigene Kirchenverfassung. Diese Kirchenverfassung wurde von 1971 an durch verschiedene Ordnungen im Verfassungsrang abgelöst, ein Beispiel ist die Kirchgemeindeordnung.

Kirchbauten
84 Stadt- und 580 Dorfkirchen prägen die die Landschaft Mecklenburgs wesentlich mit. Erbaut aus Feld- und Backsteinen weisen sie auf die Geschichte der christlichen Botschaft in diesem Land hin und auf ihre enge Verbindung mit dem Leben der Menschen hier. In einer „Konzeption zur Nutzung von Kirchen“ hat die Kirchenleitung vor einigen Jahren betont: „Kirchen sind sichtbare Zeichen dafür, dass Gott Wohnung unter uns Menschen nimmt.“ Und: „Sie sind nicht nur Orte, in denen gepredigt wird, sondern sie predigen auch selbst. So bleiben sie auch in einer Gesellschaft, die sich nicht mehr selbstverständlich als christlich versteht, ein öffentliches Wahrzeichen für die Gegenwart Gottes in der Welt. Dies gilt auch, wenn sie nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden sollten. Als Orte der Besinnung und Ruhe für Christen wie für Nichtchristen sind sie unverzichtbar.“

Bestand an Kirchen
664 Kirchen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, von denen 97 Prozent unter Denkmalschutz stehen. Des weiteren stehen noch 12 Ruinen. 130 der Kirchen haben einsturzgefährdete Bereiche, welche durch Absteifungen, Notüberdachungen und Absperrungen gesichert sind. Dazu zählen beispielsweise Conow, Muchow und Schlagsdorf (Gewölbe) im LK Ludwigslust, St. Nikolai (Chor) in Rostock, Melkhof im LK Parchim; Kotelow bei Stargard und Schliefenberg im LK Güstrow. Um diese Notsicherungen zu gewährleisten werden ca. 24,0 Millionen Euro benötigt. Der insgesamte Gebäudebestand der Landeskirche, wozu auch Gebäude wie große Pfarrhäuser, Scheunen etc. zählen, liegt bei mehr als 1.500.


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